Kritik

Frauenarzt Dr. Prätorius – ein Versuch

Kennt ihr das, wenn man ein neues Essensrezept vor sich zu stehen hat und es absolut nicht essen möchte? Du möchtest es auf keinen Fall probieren! Auch wenn es vielleicht schmecken könnte, aber Du willst einfach nicht! Ähnlich voreingenommen war ich bei dem Schwarz-Weiß-Film „Frauenarzt Dr. Prätorius“. Ich kam einfach nicht ran, musste mich geradezu zwingen. Dabei bietet der Film doch aus Sicht der 50er Jahre durchaus Potenzial und Diskussionsstoff. Vor Allem moralisch bei Themen wie Abtreibung, Suizidalität oder Todesstrafe. Die Hauptfigur lakonisch ironisch, mit viel Geist und klugen Thesen. Eine Mischung aus Patch Adams und Mr. Keating im Gewand der Feuerzangenbowle. Aber dieses Frauenbild etwa. Obwohl man mit Frauen, die Medizin studieren, bereits damals weiter war, als etwa in Katar heute. Und dann dieser doch selbstgerechte Professor, der obgleich er als Held für alle Probleme Lösungen bereithält, unantastbar scheint, und dennoch auf mich aus heutiger Sicht heraus irgendwie narzisstisch wirkt. Dieses gruselige Bild von der hörigen Pflege rund um den Professor im Krankenhaus und ein paar haarsträubende medizinische und ethische Fails, jedoch alles wie gesagt, allein aus heutiger Sichtweise.
Ich beschäftige mich dieser Tage intensiver mit der Komikerkunstfigur Kurt Krömer. Jemand, der nachdem er seine Depressionen öffentlich gemacht hat, sich nicht davor scheut zu sagen, dass auch Männer durchaus mal weinen dürfen, ohne dass dies Schwäche symbolisiert. Jemand, der als heterosexueller Mann sich seine Fingernägel lackiert, um ein Zeichen gegen „toxische Männlichkeit“ zu setzen. Das gefällt mir irgendwie.
Unweigerlich vergleiche ich beide Männertypen miteinander, und wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich aktuell so schlecht rankomme an diesen Film rund um den Frauenarzt Dr. Prätorius.

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